One by One Deutschland

Schulbesuche Tipps und Tricks

Notizen während des Treffen der Schulbesucher am 18. Mai 2007. Was sind gemeinsame, wiederkehrende Erfahrungen?

Lehrer

  • Lehrer geben Verantwortung für die Stunde an die Sprecher ab, ob wir wollen oder nicht. Also: als Sprecher müssen wir die Gruppe aktiv leiten.
  • Lehrer haben oft kein Interesse am Thema.
  • Lehrer ziehen sich während der Stunde zurück, klinken sich aus. Also: Lehrer gezielt in die Stunde einbinden, damit Langweile nicht abfärbt.
  • Oft mangelnde organisatorische Vorbereitung. Keine geeignete Sitzordung, keine Vorstellung der Sprecher. Also: Im Vorfeld mit Lehrer Kontakt aufnehmen; die Stunde selbst gestalten, Zeit für's Stühlerücken einplanen, Selbstvorstellung vorbereiten.
  • Oft mangelnde inhaltliche Vorbereitung. Falsche Erwartungen bei den Schülern von 80-jährigen “Zeitzeugen”. Also: Im Vorfeld mit Lehrer Kontakt aufnehmen; bei Selbstvorstellung Erwartungen korrigieren.
  • Lehrer greifen auch bei Gequassel und Disziplinproblemen nicht aktiv ein. Also: Auch Disziplinfragen aktiv selbst lösen.

Schüler

  • Manche interessiert, viele “mehr als gelangweilt”.
  • Je jünger die Schüler, umso besser die Fragen. Gute Erfahrungen mit 8./9. Klasse.
  • Wirkliches Interesse eher in Hauptschulen, Oberstufenzentren und Berufsschulen (wo man auch besser mit Neonazis ins Gespräch kommen kann). Gymnasiasten sind mit “dem Thema” oft übersättigt.
  • Zeitzeugen von Opferseite verstummen in Anwesenheit von Neonazis. Die Schüler sehen durch sie hindurch, ohne es selbst zu merken. (Überaschende Begründung: Sie waren geschockt. Sie konnten nicht reagieren. Sie hatten Opfergeschichten noch nie gehört.)

Themen

  • “Was hat das mit mir zu tun” als zentrale Frage. Keine alten Geschichten erzählen, sondern Verbindung zur eigenen Biographie. Jede Familie hat die Zeit erlebt, jede auf eine andere Art. Also kann auch jeder etwas dazu sagen!
    • Zeitzeugen: Eigenes Erleben
    • Nachgeborene: Aneignung des Themas; belastendes Schweigen in der Familie; …
  • Eigene “innere Haltung” zu Ausgrenzung, Rassismus, Intoleranz.
  • Umgang mit Neonazis heute ist wichtiges Thema (Petra)
  • Wertvolle Begegnungen mit Neonazis möglich (Jacqueline)
  • DDR-Erfahrungen oft Thema im Einzelgespräch (Petra)
  • Schüler wollen mehr über Soldatentum hören (in Familienlegenden geht's viel um Krieg und Vertreibung, wenig um NS)
  • Bei Zuwandererkindern oft ähnlich gelagerte Familientraumata, aber in anderen Ländern, Systemen, Zeiträumen.

Ablauf

  • Kreisförmige Sitzordnung! Umräumen lohnt sich.
  • Einstieg über Fotos (wie etwa Inges “Koffer”)
  • Auftritt von zwei(!) Sprechern als exemplarischer Dialog. Darin besteht der besondere Wert von One by One. Schüler können (zum ersten Mal?) erleben, wie Opfer und Täter in den Kontakt miteinander gehen. Einzelauftritte von Sprechern funktionieren eher bei reflektierten Erwachsenen.
  • Gesprächsstein (talking stick) funktioniert
  • Gute Erfahrung mit Projekttagen, wenn Schüler inhaltlich gut vorbereitet.
  • Mehr Zeit hilft. Am besten eine Pause, damit Schüler Beiträge verarbeiten können. Danach sind weitere Gespräche und Fragen leichter.
  • Bei Verallgemeinerungssätzen von Schülern (“ich wurde als Deutscher im Ausland dauernd …”) die konkrete Erlebnissituation nachfragen. Wo war das? Mit wem hast du gesprochen? Usw.

Kontakt herstellen

  • Keine Werbung für Schulbesuche. Ging häufig schief.
  • Gute Erfahrungen bei persönlichen Empfehlungen. In letzter Zeit auch mit Gedenkstättenleitern.
  • Persönlicher Kontakt ist auch für Vorbereitung der Stunde wichtig.
  • Nicht zu viele Schulbesuche, damit sich Sprecherengagement nicht abnutzt und zur Routine wird.

Offene Fragen

  • Wie umgehen mit traurigen, emotionalen Geschichten? Kontaktperson oder gezieltes Gespräch anbieten? Auf therapeutische Angebote hinweisen?
  • Wie umgehen mit Migrantenkindern? Sie haben in eigenen Familien oft grausame Schicksale von Verfolgung und Vertreibung (Sowjetische Gulags, Balkankriege, …) Müssen sie erst ihre eigene Geschichte kennen, bevor sie uns verstehen? Oder reicht es, wenn wir als One by One Sprecherpaare ein positives Beispiel geben für heilsamen Dialog?
  • Inwiefern eigene Therapieerfahrungen einfließen lassen, als Beispiel für Traumabewältigung?
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